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Die Stadtbefestigung
Goslars begann im 11. Jahrhundert mit dem Bau der Stadtmauer
und ihren vier Haupttoren Rosentor, Breites Tor, Klaustor und
Vititor. Im 14. und 15. Jahrhundert errichteten die Verteidiger
zudem die Mauertürme Weberturm, Teufelsturm, Wachtmeisterturm
und Kegelwortturm. Nach Erfindung des Schiesspulvers und schwerer
Geschütze war zudem die Aufschüttung hoher Erdwälle und die
Anlage von Gräben vor den Stadtmauern notwendig.
Der mit dem Rammelsberger Bergbau eingetretene Reichtum der
Goslarer Bürger hatte aber auch eine Kehrseite, die ständigen
Angriffe der Braunschweiger Herzöge. Vor den Toren der Stadt
schufen die Goslarer die Landwehr aus zwei Spitzgräben und
einem dazwischenliegenden, mit Dornenhecken bepflanzten Wall.
Die ältere Landwehr bezog Nordberg, Georgenberg, Petersberg,
Bollrich und Gelmkeberg ein. Im 15. Jahrhundert wurde ein
äußerer Ring zusätzlich mit Sudmerberg, Försterberg, Rosenberg
und der Okerfurt gezogen.
Der Sage nach griff Heinrich der Löwe zu der Zeit, als Kaiser
Rotbart eine Zeit lang in Goslar wohnte, die Stadt an. 'Es
wäre Heinrich wohl niemals gelungen, die Stadt einzunehmen,
wenn nicht einer der kaiserlichen Knappen sich dazu herabgelassen
hätte, um eine nicht geringe Belohnung Goslars Schwächen an
Heinrich zu verraten.
Zu spät bereute es der Knappe; denn als er seine Freveltat
einsah, war das Unglück schon geschehen. In seiner Gewissensnot
ging er zu Friedrich und bekannte seine Verfehlung, indem
er selbst bat, ihn durch den Henker mit dem verdienten Tode
zu bestrafen.
Auf dem Sudmerberge wurde er gerichtet, und dort oben ist
sein Leichnam auch verscharrt. Als man nun später den Turm
erbaute, fand sich des Verräters ruhelose Seele dort oben
ein, und Nacht für Nacht hört man in der Nähe des Turmes ein
Stöhnen und Wimmern, das von dem Wache haltenden Knappen herrührt'.
Keine Sage waren jedoch die Ereignisse im Jahre 1515, als
'das Geschütz Rumetasche vorm Seckenhoffe nach den Sudmerbarger
torn' schoß 'und de Kugel fel dal im Steinfelde'.
Bereits 1527 fielen einige Landwehren den kriegerischen Auseinandersetzungen
zum Opfer, 1571 zerstörte Herzog Julius von Braunschweig viele
der Warten. Erhalten geblieben sind bis heute nur der Maltermeister
Turm und die Sudmerberger Warte. Die im 'Doktorsbusch' auf
dem Sudmerberg noch nachgewiesene Hermannswarte ist vermutlich
in dieser Zeit ebenso zerstört worden.
Die Aufzeichnungen lassen keinen eindeutigen Schluß zum Zeitpunkt
des Entstehens der Sudmerberger Warte zu. Gegen das Entstehungsjahr
1492 sprechen die Ausführungen von Hölscher, der bereits für
das Jahr 1442 den Nachweis führt, daß der Rat einen neuen
Wartmann (Turmwächter) auf dem Sutborgerberch bestellt hatte.
Danach soll dann 1491 der Rat einen neuen Turmwächter 'uppe
dem Suttberge torn' eingesetzt haben.
Die Sudmerberger Warte wurde ursprünglich aus Holz errichtet,
später wurde das Holz durch Stein ersetzt. Türme und Warten
boten den Soldaten die Möglichkeit, vor Überfällen von Räubern
und finsterem Gesindel zu warnen und die Viehherden rechtzeitig
in Sicherheit zu bringen. Von der Warte auf der Spitze des
Sudmerberges aus konnten anrückende Feinde aus allen Richtungen
beobachtet werden. Die Stadtsoldaten, die hier Wache hielten,
konnten durch Flaggen- und Lichtsignale den Gegenposten in
der Stadt auf der Marktkirche das Herannahen der Feinde melden.
Der Weg zur Warte heißt noch heute 'Soldatenstieg'.
Zwischen den Goslarern und den Bewohnern des Amtes Harzburg
kam es oft zu Streitigkeiten z.B. wegen der Weiderechte. Wenn
die Herden Goslars außerhalb des Knickgrabens weideten und
ihnen Gefahr drohte, wurde auf der Sudmerberger Warte eine
Fahne gehißt. Dann trieben die Hirten eilig das Vieh hinter
den Knickgraben und die Bürger und Soldaten eilten zur Hilfe.
Weideten dagegen die Harzburger ihr Vieh auf Goslarer Gebiet,
so wurde auch dieses vom Turm aus gemeldet, das Vieh wurde
gepfändet und hinter den Knickgraben gebracht. Faustrecht
und Besitzergreifen der Herden waren so die Regel.
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In den Jahren 1618
-1648 regierte in Braunschweig Friedrich Ulrich; in dieser
Zeit wütete der Religionskrieg. Zunächst entstanden Fehden
zwischen Goslar und dem Amt Harzburg. Goslar hielt es mit
den Kaiserlichen, einmal aus Haß auf die Braunschweiger Fürsten
und vornehmlich in der Hoffnung, durch die Gunst des Kaisers
die Berg- und Hüttenwerke sowie die Waldungen wieder an sich
zu bringen.
Die Viehweide leitete den kleinen Krieg am Fuße des Sudmerberges
ein. Die Harzburger weideten ihr Vieh auf Weiden, die die
Goslarer mehr und mehr beanspruchten. Kampfbereit standen
sich die Stadtsoldaten und Bürger Goslars einerseits und die
Besatzung der Harzburg mit den Bauern, zu denen sich noch
die Harzschützen, auch Schnapphähne, Ströder, Buschrenter,
Klopper oder Taschenklopper genannt, gesellten, gegenüber.
Die Chronisten erzählen:
'Am 06.05.1626 waren die Harzschützen hinter dem Goslarschen
Vieh am Sudmerberge. Die Stadtsoldaten und Goslarer Bürger
verfolgten sie, plünderten ihre Raubnester über der Oker und
töteten den Anführer, den Flößermeister. In dessen Hause,
welches später die Schule beherbergte und als 'Diedrichsches
Haus' erst 1857 abbrannte, fiel ihnen die Fahne in die Hände.
200 frische Brötchen, Mehl und allerlei Viktualien, soviel
ein jeder schleppen konnte, wurde nach Goslar geschafft.
Die Harzschützen revanchierten sich am 05. Juni mit dem Diebstahl
von 25 Pferden vor dem Clausthore. Die Goslarer Bürger und
die Stadtsoldaten setzten den Dieben in 3 Haufen, jeder zu
80 Mann, nach.; 2 Haufen in den Harz und ein Haufen nach der
Oker hin, woselbst der Diebe gewöhnlicher Aufenthalt war.
Die 2 Haufen forderten Hilfe, weil sie unter eine Partei Renter,
welche die Harzburg verproviantiert hatten, gefallen waren.
Durch Trommelschlag wurde Hilfe angeboten und nachgesandt,
und diese fiel den Rentern erst recht in die Hände und wurde
total geschlagen.
Die 160 hatten sich durchgeschlagen und kamen zwischen der
Oker und der Eulenburg aus dem Walde. Sie fielen den Rentern
ebenso in die Hände und erlitten eine große Niederlage. Es
blieben 12 Bürgersöhne und 20 Soldaten tot auf dem Platze,
20 waren verwundet und 16 wurden gefangen genommen. In höchster
Bedrängnis mögen sie auch Zuflucht in den Zwergenhöhlen unterhalb
der Bergkuppe gefunden haben und einige wohl auch ihren Verletzungen
erlegen sein.
Der Hauptmann Jürgen Göckel wurde angeklagt, daß er die Untergebenen
übel geführt habe, und beschuldigte man die Harzburger, daß
sie mit Speck geschossen hätten. Die Gräber der Gefallenen
sind zum Teil noch auf der Weide zwischen dem sogenannten
Waghause und der Farbenfabrik von Salzer und Voigt erhalten.
Bei der Anlage eines Gartens hat der Hüttenaufseher Edler
einen Teil der Gräber mit den Gebeinen ausgegraben. Die Leichen
waren in östlicher Richtung von einander gelegt.'
Am 20.09.1670 schlug der Blitz in die Sudmerberger Warte
ein, die daraufhin vollständig abbrannte. Die Wache blieb
unbeschädigt und die Soldaten wurden nicht verletzt.
Auch in jüngerer Zeit wurde die Sudmerberger Warte militärisch
genutzt. Nach Einrichtung des Flugfeldes in Goslar 1927 und
dessen Übernahme in militärische Nutzung 1935 stand oben auf
dem Turm ein Drehscheinwerfer. Gemeinsam mit den Drehfeuern
auf dem Brautstein und auf dem Steinberg bildete er ein Navigationsdreieck
für alle Flugzeuge mit dem Zielflughafen Goslar. Während des
Krieges beobachtete eine Flugwache vom Turm aus feindliche
Flieger.
Heute bereitet der Erhalt des Wahrzeichens dieses Stadtteiles
den Sudmerbergern zunehmend Sorge. Zum 60. Geburtstag des
Stadtteils und der Siedlergemeinschaft Sudmerberg fällt deshalb
der Startschuß zu der gemeinsamen Aktion 'Erhalt der Sudmerberger
Warte'. Mit dieser Aktion soll der Erhalt der historischen
Baulichkeit finanziell und auch tatsächlich gesichert werden.
Der Sudmerberg ist nicht nur ein 'in das Harzvorland verirrtes
Stück Harz' und damit ein Wanderparadies, vielmehr eröffnet
sich von der Sudmerberger Warte aus dem Gast die Fernsicht
über die Mauern Goslars hinweg bis zum Brocken, Hahnenklee,
Steinberg und Nordberg auf der einen Seite und Halberstadt,
Osterwiek, Elm, Asse, Hils und Ith in nord- und nordöstlicher
Richtung.
Die Baulichkeit auf dem Sudmerberg hat für die Bewohner des
Stadtteils auch symbolischen Charakter, bezogen auf die Dauer,
die bis zur Erfüllung der Wünsche der Sudmerberger an Rat
und Verwaltung zur Fortentwicklung der Siedlung zeitweise
verstrich. Da wurde aus der 'Sudmerberger Warte' rasch das
geflügelte Wort 'Sudmerberger - warte'! |